Schaut:
Palette, Ende April 2010 hat geschrieben:Arbeit in schwieriger Umgebung
Pfeiler des Eidersperrwerks mĂĽssen wegen Salzkorrosion saniert werden / Taucher verankern Arbeitsplattform
Vollerwiek
Die Sanierung der mächtigen Betonpfeiler des Eidersperrwerks hat begonnen. Nahezu spielerisch wirkte die Arbeit des Schwimmkrans „Reebok“ aus Cuxhaven, der gestern eine Arbeitsplattform zum Eidersperrwerk bugsierte. Dabei wiegt das Gestell, das sieben Meter hoch, 15 Meter lang und acht Meter breit ist, gut 50 Tonnen. „Hier handelt es sich um ein Pilotprojekt“, erklärte Marco Bardenhagen, Ingenieur beim für das Sperrwerk zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Tönning, „denn wir betreten mit dieser Arbeitsweise Neuland. Wir benötigten ein Gerüst zur Aufarbeitung der Pfeiler, konnten aber keines einfach an das Sperrwerk hängen, und schwim-mend auf einem Ponton wäre das ebenso wenig zweckmäßig gewesen.“ Wind, Wetter und Wasser hätten die Stabilität zu sehr gefährden können, die für eine Arbeitsplattform unabdingbar ist.
So entschlossen sich die Verantwortlichen, die Hufeisen förmige Gerüst-Konstruktion, gebaut von einer Fachfirma in Hannover und fertig montiert am Binnenhafen des Eidersperrwerks, per Schwimmkran vor das Bauwerk zu transportieren und im Boden der Eidermündung zu verankern. Der Kran brachte die Plattform trotz starken Windes sicher vor das Sperrwerk, und setzte sie dann nahezu Zentimeter genau über dem Eisabweiser des Pfeilers auf Grund. Das geschah mit einer Leichtigkeit, als würde nicht ein Gewicht von 50 Tonnen bewegt, sondern lediglich eine Kiste Bier. Das Verankern der Plattform wird von mehreren Taucher-Teams unter Wasser erledigt, die ihre Pontons ebenfalls am Sperrwerk vertäut haben. Rund fünf Tage werden sie dafür benötigen
Saniert werden soll in diesem Jahr der erste Wehrpfeiler (von Dithmarschen aus gesehen) auf der Eiderseite. Die Arbeiten sind notwendig, weil sich im Laufe der Jahre ein höherer Salzgehalt im Beton gebildet hat. Diese Korrosion, die an der See ganz natürlich ist, führt nach längerer Zeit zu feinen Rissen im Baustoff. Das Eidersperrwerk wurde immerhin bereits 1973 fertig gestellt. Zu-nächst trägt ein Roboter eine 30 Zentimeter dicke Betonschicht auf dem Pfeiler ab, danach wird die innere Bewehrung ausgetauscht oder repariert und schließlich kommt der Auftrag neuen Spezial-Betons. Hierzu werden rund 30 Kubikmeter des Materials benötigt – obwohl nur der Teil erneuert wird, der außerhalb der Wasserlinie liegt.
Die Arbeiten an dem einen Pfeiler werden die ganze Saison in Anspruch nehmen (wir berichteten). Dazu Gerd Hartwig vom WSA: „Wir müssen hier immer die Witterung und die Strömun-gen in Betracht ziehen, deshalb dauert das.“ Und Christina Ruddeck, WSA-Chefin, ergänzt: „Das Sperrwerk ist eine Einrichtung zum Sturmflutschutz und dient ebenso der Entwässerung des Hinterlandes, muss also ständig funktionsbereit sein. Deswegen können wir nur ganz kurzfristig alle Sieltore zumachen – generell gilt, dass im Normalbetrieb immer nur zwei der fünf Tore geschlossen werden dürfen.“ Die vorgesehenen Arbeiten beeinträchtigen den Verkehr nicht – weder Kraftfahrzeuge, die durch den erst vor zwei Jahren sanierten Tunnel fahren noch Schiffe, die ihre eigene Schleuse von der Eider zur Nordsee haben, werden in irgendeiner Form behindert.
